Ob ihr´s glaubt oder nicht, ich bin wieder zu Hause. Also ich mein zu Hause in Toronto.
Das ist schon etwas komisch, wenn man was zu Hause nennt, wenn man dort 2 1/2 Wochen gewohnt hat. Wenn man ständig umzieht und immer neue Leute kennenlernt, dann lernt man auch sich und seine eingene Kultur besser kennen.
Ich weiß jetzt, dass mich die 7 Jahre Stuttgart Alexanderstraße am Anfang meines Lebens schon sehr geprägt haben. Viel mehr, als ich bisher dachte. Ich fühl mich einfach wohler, wenns draußen immer laut ist. So eine ewige Stille wie in Moffat macht mich verrückt. Das kann man eben nur verstehen, wenn man selbst ein Stadtkind ist…
Was die deutsche Kultur angeht, können wir noch sehr viel von nordamerikanischer Kultur lernen. Es ist hier nicht alles besser, man muss schon auch beide Seiten sehen, aber vor allem im Umgang mit Menschen weht hier ein anderer Wind. Das fängt schon bei den Verkäufern im Laden an.
Die Leute sind hier allgemein offener. Oft denkt man, wenn Menschen zu Small Talk neigen, dass es schwer ist eine wirkliche Beziehung mit ihnen aufzubauen; das trifft für Kanadier aber nicht zu. Es gibt schon welche mit denen man nicht unbedingt über alles reden will aber wenn man diese „Small Talk Wand“ einmal durchbrochen hat, dann werden Kanadier schnell sehr persönlich, direkt und ehrlich.
Was ein Kanadier aber nicht verträgt ist Kritik, so wie es Deutsche gewohnt sind. Das gibt es hier nicht wirklich. Wenn man was falsch gemacht hat dann wird einem das nicht so gesagt. Sie können schon sagen, wenn was nicht so gut gelaufen ist, aber ihr Ziel ist dabei dich zu ermutigen, es beim nächsten Mal besser zu machen. Das hat den Grund, dass man hier schneller beleidigt ist, wenn man angemotzt wird. Der Satz, „Das ist falsch!“ gibt´s hier nicht wirklich. Kanadier sagen das irgendwie anders.
Die Sache mit der „Kritikunfähigkeit“ (deutsch gesagt) hat die Folge, dass es nicht immer darum geht, einen Prozess zu optimieren, also am effizientesten zu gestalten. Es geht oft darum, etwas halt zu machen, damit man es gemacht hat. Wie gut oder schlecht ist erst mal egal. Da können sich einem als Deutscher schon mal die Haare sträuben!
Aber grundsätzlich fühl ich mich in der kanadischen Welt schon wohl. Es ist halt anstrengend immer von der deutschen Kultur aus sich wieder in die kanadische rein zu finden. Wie wohnen ja nur unter Deutschen zusammen.
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